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Sogar zwei Kühe ziehen hinab ins Tal

Autor: Wolfgang Pfisterer 

Quelle: SWP Rundschau Gaildorf

Im Herbst wird in den Alpenländern das Vieh von den Bergweiden ins Tal getrieben. Und das wird vielerorts mit einem Fest gefeiert. Im Gschwender Teilort Frickenhofen ist der „Almabtrieb“ eine gesellige Veranstaltung des Sportvereins Frickenhofen – und das seit Jahrzehnten.

Auch in diesem Jahr war bei strahlend blauem Himmel und fast sommerlichen Temperaturen ein bunt gemischter Umzug zusammengekommen, um von Frickenhofen ins tiefer gelegene Sportgelände zu ziehen. Wie es sich für einen Almabtrieb gehört, ging es dabei recht „tierisch“ zu. Die Allgäuer Kuh „Laila“ war von ihrem Besitzer Lukas Kunz direkt von der Weide geholt worden, ebenso wie „Lena“ von Kevin Kramer. Festlich geschmückt und mit großen Kuhglocken um den Hals folgten sie der vierzehnköpfigen Almabtriebskapelle „Mu - Ho“, die den Festzug anführte.

Die Familie Braun aus Mittelbronn hatte vier Esel dabei und den Familienhund. Der neun Monate alte Raphael lag stilgerecht mit Lederhose bekleidet im Kinderwagen und war sich sicherlich nicht bewusst, dass er der jüngste Teilnehmer des Umzugs war.

Auch alte Schlepper müssen ran

Die beiden Shetlandpony-Stuten Mia und Lilli waren vor das Wägelchen der Lammbrauerei Untergröningen gespannt und wurden von Walter Maier auf dem Kutschbock geführt. Eine Gruppe junger Mädels hatte sich den Namen „Flower Power“ gegeben. Ihr hübsch mit Blumen geschmücktes Pony „Molly“ machte dabei dem Namen alle Ehre. Außer Vierbeinern mussten auch alte Schlepper zum Ziehen der Festwagen ran. Die „Hinterwäldler“ hatten einen Allgaier Einzylinder mit Schwungrad Baujahr 1951 vor ihre „Kuhstall-Disco“ gespannt. Thomas Schelp hatte unter den Kühlergrill seines Fendt ein Schild gehängt: „In Frickenhofen ischs doch schee, do brauchsch nemme en Urlaub geh“. Auf dem Wagen eine männliche Puppe mit Pfeife und Sonnenbrille mit einer Flasche Bier. Die Badehosen und Bikinis an den Wäscheleinen ringsum ließen einen regen Besuch des Gschwender „Wasserreichs“ vermuten.

Ebenfalls mit einem „Fendt“ bespannt war der Wagen der Familien Däs und Grau. „Die
Gmoid brengts no net no, dass mr schneller surfa ka“ wurde auf einem Banner kritisiert. Die Bildschirme blieben also schwarz und wurden noch schwärzer, wenn der Schlepperfahrer richtig Gas gab und Rußwolken aufwirbelte.

Bonbons und Schwarzwurst

Auf umweltfreundlichen Bobbycars und Kindertrettraktoren mit Anhängern, geschmückt und beladen mit Strohballen oder Kürbissen, waren die jungen „C1 Schlepperfreunde“ unterwegs. Die altgedienten Volleyballdamen des SV Frickenhofen ließen sich im VW-Bus talwärts chauffieren, während die jungen Aktiven nebenherlaufen mussten, um fit zu bleiben. Gudrun Seeger schob ihren historischen Kinderwagen vor sich her, mit Rührkuchen, Sekt- und Weinflaschen darin.

Überhaupt ging es den Zuschauern des Festumzugs nicht schlecht. Immer wieder flogen Bonbons aus den Wagen, Schwarzwurstscheiben mit Senf oder Brezeln wurden gereicht und auch leichte und „schärfere“ Getränke fanden ihre Abnehmer. Am SV-Vereinsheim, von Insidern auch „Gifthütte“ genannt, wurde der Umzug von zahlreichen Besuchern erwartet. Rasch füllten sich die Gasträume und das Festzelt und hinter den Kulissen wurde fleißig gewerkelt.

Die Kellner, allesamt Fußballer, rannten eifrig hin und her und schafften das bestellte Sauerkraut, das Bier und den Wein heran, eine Art Volksfeststimmung machte sich breit. Die Almabtriebskapelle sorgte mit fetziger Musik für Stimmung, ehe am Abend die Schanzenrebellen aus Fichtenberg die musikalische Unterhaltung übernahmen.